Gänsrhein im Winter
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Der Domänenwald Kastenwört
 
Wer den Naturführer Karlsruhe zum Auenwald in die Hand nimmt, der wird etwas erstaunt sein. Dort ist eine Route beschrie­ben, die im Gebiet Rappenwört und Kastenwört liegt. Und beim Auenwald Kastenwört finden wir "Schläge" mit den Namen Wintersdorfer Wald, Sandweierer Wald, Grefferner Wald, Helmlinger Wald, Scherzheimer Wald, Eggensteiner Wald usw. Welche Bewandnis es mit diesen Namen hat, wird in einem Zeitungsartikel aus Zwischen Murg und Kinzig, Heimatblätter des Badischen Tagblatts für Geschichte, Brauchtum, Wirtschaft, Kultur, Nr. 302, Mai 1966 beschrieben. Dieser Artikel wird im Folgenden komplett, allerdings ohne Vorspann, wiedergegeben.
 
R. G. Haebeler / Heinrich Ell: Als die Rieder ihr Holz in Kastenwört schlugen
 
Vorspann ...
 
Bei Forchheim, zwischen dem Hochgestade und dem Rhein, liegt der 334 Hektar große Domänenwald Kastenwört. Der neue Federbach teilt diesen Staatswald in einen inneren östlichen Distrikt II und in einen westlichen äußeren Distrikt III. Von 1832 bis 1930, als der Kastenwört unter die angrenzenden Gemeinden Forchheim, Karlsruhe und Neuburgweier gemarkungs­mäßig aufgeteilt wurde, bildete dieser Wald eine selbständige Gemarkung, die grundbuchmäßig seit 1841 ausschließlich dem Pfandgericht Forchheim zugehörte. Bis dahin hatte nur der östliche, zwischen dem neuen und alten Federbach gelegene Distrikt II des Kastenwört diesen Namen, während der westliche Distrikt III Fahrgrund und Salmen­grund hieß.
 
Bis 1801, bis zum Frieden von Lunéville, waren der Fahrbruchgrund und der innere Kastenwört, ebenso wie die Fritsch­lach bei Daxlanden, kurpfälzisches Territorium. Grenze bildete zur Markgrafschaft Baden hin bei Neuburgweier der Federbach, ebenso bei Forchheim und Daxlanden. Die Wälder auf der Fritschlach und der Insel Aubügel standen in gemeinschaftlicher Nutzung von Mörsch und Neuburg. Nur der innere, auch Neubürger Pfuhlgrund genannte Kastenwört war alleiniges Eigentum der linksrheinisch gelegenen Gemeinde Neuburg.
 
Durch den Frieden von Lunéville wurde das ganze linke Rheinufer von Basel bis zur holländischen Grenze französisch. Dadurch wurden die Auwälder zwischen dem Federbach und dem damaligen Talweg des Rheines badisches Hoheits­gebiet. Der einstmals kurpfälzische Kastenwört fiel daher in die Besitzverhältnisse der alten badischen Markgrafschaft, nun Kurfürstentum und bald Großherzogtum. Dies geschah als Entschädigung für die linksrheinisch verloren gegangenen Besitztümer. Gleichzeitig aber erhielten auch die Riedgemeinden das Recht, in diesem Wald Holz zu schlagen. Eine be­sondere Kommission wurde gebildet, die in den Jahren 1805 und 1806 diesen kommunalen Gebietsausgleich vornahm.
 
So bekam Sandweier 40 Morgen westlich der Daxlander Straße zugesprochen. Iffezheim und Lichtenau erhielten bei der Schützehütt 29 Morgen und 14 Morgen, Scherzheim, Helmlingen und Grauelsbaum je 13 Morgen, Freistett 94 Morgen Wald im Aubügel, Stollhofen auf derselben Rheininsel 84 Morgen Wiesen, Söllingen 84 Morgen auf den Inseln Aubügel und Fritschlach, Diersheim 43 Morgen im Gewann Hasselrück, Greffern 62 3⁄4 Morgen im Blaisenschlag. Der Fahr- und Bruchgrund am Bellenkopf wurde unter die Gemeinden Wintersdorf mit 105 Morgen, Au am Rhein mit 144 Morgen Wald und Wiesen und Neuburgweier mit 24 Morgen Grundwiesen aufgeteilt. Ferner waren noch beteiligt die Gemeinden Dettenheim und Eggenstein der unteren Hardt und Märkt und Haltingen des Markgräflerlandes.
 
Nach einer Denkschrift des Forstmeisters Fischer aus dem Jahre 1848 war diese Waldfläche von insgesamt 1187 Morgen alten oder 1045 Morgen neuen badischen Maßes durch rücksichtslose Holzhiebe infolge der Napoleonischen Kriege fast gänzlich "devastiert". Zum anderen aber besaßen die Waldungen und Wiesen für die Gemeinden keinen großen Wert, da sie räumlich zu weit entfernt liegen. Der kaum 50 Jahre alte Fahrgrund, so benannt nach einer Fähre nach Hagenbach, bestand zum großen Teil aus Altrheinen, Kiesbänken und Waldblößen. So wurden in den Jahren 1809 bis 1811 hauptsächlich mit den im heutigen Kastenwört begüterten Gemeinden Kauf- und Tauschverträge über in ihren Gemarkungen gelegenen Domänengütern abgeschlossen.
 
Den Anfang machte schon 1807 die Gemeinde Greffern. Sie tauschte ihre Waldungen gegen 105 Morgen herrschaftliche Felder "auf dortigem Bann". Stollhofen nahm ebenfalls "gleichwertige Flächen im Bannwald bei Hügelsheim" im Tausch gegen seine zugesprochenen Waldungen auf der Insel Aubügel. So waren in diesem Jahre rege Veränderungen in den Besitzverhältnissen im Gange. Söllingen kaufte von dem Bannwald bei Hügelsheim eine Fläche für 15.830 Gulden und verkaufte zu diesem Zwecke 86 Wiesen der Fritschlach an die Gemeinde Daxlanden für 4560 Gulden und 56 Aubügel­wiesen für 4675 Gulden an die Bauern von Forchheim und Umgebung. Die Gemeinde Wintersdorf tauschte im Jahre 1811 ihre 105 Morgen gegen 47 Morgen des halben Brombacher Hofes und einem Aufgeld von 5000 Gulden.
 
So hatte die großherzogliche Direktion der Forstdomänen bis zum Jahre 1818 insgesamt 1079 Morgen alten oder 950 Morgen neuen badischen Maßes erworben. Nur die Gemeinde Iffezheim sollte ihren Waldbesitz am südlichen Deich bis zum Jahre 1834 behalten. Da wurde der Anteil von 25 Morgen 2 Viertel und 47 Ruthen versteigert. Die Gemeinde Forch­heim konnte sich dieses Angebot gegenüber dem Hirschwirt von Daxlanden, Faber, sichern.
 
Aus dem Jahre 1832 stammt die Neueinteilung des Domänenwaldes Kastenwört. Er ist in 37 Schläge untergeordnet. Das Forstamt Karlsruhe hat im Jahre 1960 diesen einst nur numerierten Schlägen zusätzlich flur- und heimatgeschichtliche Namen verliehen.
 
Im äußeren Kastenwört finden wir Namen wie Speckschlutt Napoleon, Salmengrund, Sauschlag, Sulzschlag, Mähd­schlägel. Inmitten dieser Namen steht der "Fremdling" Wintersdorfer Wald, der an die einstmaligen Besitzverhältnisse der Ried­ge­meinde im Kastenwört erinnert. Der innere Kastenwört trägt ferner die Namen: Grefferner Wald beiderseits der Forchheimer Rheinstraße bis zur Federbachbrücke, den Diersheimer, den Forchheimer Wald, sowie einen Scherzheimer und Helmlinger Wald, sowie im Aubügel den Söllinger Wald und an der westlichen Platanenrichtstatt den Dettenheimer und Sandweierer Wald.
 
Erst wenn man um die Geschichte weiß, vermag man diese Bezeichnungen an so fremder Flurlage zu deuten. Der Kasten­wört wird urkundlich in dem Rheinbefahrungsprotokoll vom Jahre 1575 erstmals als "Castwerth" genannt.
 
Domänenwald Kastenwört
Ausschnitt aus einer Grafik im Naturführer Karlsruhe Auenwald, Hrsg.: Stadt Karlsruhe Umweltamt, 4. Auflage 2001
 
 
   
 
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